Qinghao in der chinesischen Materia medica


Autor: Hsu Elisabeth, Sepp Leeb (Übers.)


Journal: Chin. Medizin, U&V München, 2006; 21:122-128, deutsch


Artemisinin wird gegenwärtig zur Behandlung von medikamentenresistenter Malaria eingesetzt. Es ist in Artemisia annua sowie in A. apiacea und A. lancea enthalten. A. annua und A. apiacea waren den Chinesen bereits im Altertum bekannt und wurden, da sie leicht miteinander zu verwechseln sind, beide als Qinghao ??(“blaugrünes Hao”) verwendet. Dieser Artikel wird jedoch zeigen, dass chinesische Gelehrte mindestens seit dem 11. Jahrhundert den Unterschied zwischen den zwei Spezies kannten und bei der Behandlung von “festsitzendem calor (“Hitze”, re) in Gelenken und Knochen” und bei “Erschöpfung aufgrund von calor (“Hitze”, re)” A. apiacea gegenüber A. annua den Vorzug gaben. Darüber hinaus enthält der Artikel eine Übersetzung der Anleitung zur Zubereitung von Qinghao zur Behandlung von Wechselfieber von Ge Hong im 4. Jahrhundert n. Chr.. Er empfahl, die frische Pflanze in kaltem Wasser einzuweichen, auszuwringen und den ausgewrungenen Saft in rohem Zustand zu sich zu nehmen. Diese Erkenntnis hat möglicherweise wichtige praktische Auswirkungen auf gegenwärtige traditionelle Anwendungsmethoden der Pflanze als Malariamittel: Der frisch extrahierte Saft von A. apiacea könnte sich als wirksamer erweisen als die Verwendung der getrockneten Blätter von Artemisia annua in Form warmer Infusionen.

Artemisinin is currently used for treating drug-resistant malaria. It is found in Artemisia annua and also in A. apiacea and A. lancea. A. annua and A. apiacea were known to the Chinese already in antiquity and, since they were easily confused with each other, both provided plant material for the herbal drug Qinghao (blue-green hao). This article shows, however, that at least since the eleventh century Chinese scholars recognized the difference between the two species, and advocated the use of A. apiacea, rather than A. annua for ‘treating lingering heat in joints and bones’ and ‘exhaustion due to heat/fevers’. The article furthermore provides a literal translation of the method of preparing Qinghao for treating intermittent fever episodes, as advocated by the eminent physician Ge Hong in the fourth century CE. His recommendation was to soak the fresh plant in cold water, wring it out, and ingest the expressed juice in its raw state. This finding may have important practical implications for current traditional usages of the plant as an antimalarial: rather than using the dried leaves of A. annua in warm infusions, it suggests that fresh juice extraction from A. apiacea may improve efficacy.


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